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Vortrag von Bautista Vidal

 

Bautista Vidal:
Das Ende des Erdöl-Zeitalters
Wir sprechen heute über einige wichtige und schwerwiegende Fragen und Probleme. Die Welt befindet sich im Krieg, weil eine Ära zu Ende geht, die Ära des Erdöls, die Ära der fossilen Brennstoffe. Dieser Krieg beschränkte sich ursprünglich auf die Region des Nahen Ostens, und er begann schon vor etwa 20 Jahren. Er begann, als der Ministerpräsident des Iran zum Rücktritt gezwungen wurde, weil er das Erdöl verstaatlichte, und dieser Krieg hat seither nie aufgehört, sondern wurde ausgeweitet auf Gebiete außerhalb des Nahen Ostens, erkennbar an dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September, an dem Putschversuch gegen Chávez in Venezuela, die Anschläge in London und Madrid, die Invasionen in Irak und Afghanistan. Und dieser Krieg ist völlig anders als der Vietnamkrieg, der war örtlich begrenzt und ideologisch begründet , aber der Krieg im Nahen Osten ist weltweit, weil er die großen Industrienationen, Energieverbraucher und Wirtschaftszentren berührt, und alle Anzeichen weisen darauf hin, daß dies zu einem Dritten Weltkrieg führt, einem apokalyptischen Konflikt zwischen Atommächten, also äußerst schwerwiegenden Konstellationen.

In Wirklichkeit war dieses Ölzeitalter, so oft gelobt und besungen, eine Traumwelt. Denn die Welt wurde abhängig und süchtig gemacht von Energieformen, die unwiderruflich zur Neige gehen,und Energie ist die Basis aller Umwandlungen und jeder Bewegung. Ohne Energie bricht alles zusammen. Und genau deshalb findet dieser Krieg statt. Und dieser Krieg, den wir heute erleben, ist das Ergebnis des schwindenden Öls. Da gibt es kein Entrinnen. Die Konflikte werden riesengroß.

In diesem Umfeld ist unsere Aufgabe von entscheidender Bedeutung. Denn die einzige Möglichkeit, diesen Zusammenbruch zu vermeiden, bietet der Kontinent Brasilien. Ein tropischer Kontinent. Und unsere Aufgabe in der Entwicklung der Welt ist absolut entscheidend, nur... wir wissen es nicht und sind deswegen auch nicht darauf vorbereitet.

Beim zweiten Welt-Energiegipfel in Bonn im Juli vergangenen Jahres hat die Welt erkannt, daß Erdöl und Atomenenergie Dinosaurier der Vergangenheit sind, und die Welt darf unter keinen Umständen davon abhängig bleiben.

Wirbelstürme
Aus vielen Gründen dürfen wir nicht länger abhängig bleiben von diesen Energieformen und Energieträgern, nicht zuletzt wie gesehen und erlebt in New Orleans bei dem Hurricane Rita. Das sind sehr tiefgreifende Dinge, die da auf uns zukommen. Landstriche werden verschwinden, Menschenmassen werden zur Flucht gezwungen, allein vergangenes Jahr wurden 3 Millionen Menschen aus Miami evakuiert, und dies ist bereits der siebte Wirbelsturm. Und dann kam Rita.
Ein Wirbelsturm nach dem anderen, das war noch nie da. Und obwohl der Hurricane Rita New Orleans um 40 km verfehlte, waren die Schäden enorm. Und das war noch ein schlampiger Hurricane. Vierzig Kilometer daneben.

Im Grunde ist dies die Rache der Natur an (George W.) Bush, der sich weigert, das Protokoll von Kioto zu unterzeichnen. Dies ist von fundamentaler Wichtigkeit für das thermodynamische Gleichgewicht der Ökosphäre, fundamental für die Erhaltung des Lebens, und dieser Bandit weigert sich zu unterschreiben.
Die Natur kann man nicht besänftigen, sie ist unversöhnlich. Man kann keine Armee gegen einen Hurricane mobilisieren.

Umwelt-Kollaps und Energie-Kollaps
Dies ist der Kontext in dem wir leben, und wir sind die Lösung gegen diese beiden Formen von Zusammenbruch.
Der Energiekollaps der fossilen Brennstoffe erweist sich als Selbstmordprogramm.
Und der Treibhauseffekt erhitzt die Erde und bewirkt Veränderungen.
Um Ihnen eine Vorstellung von den Energiemengen zu geben die El Niño freisetzt, der ebenfalls aus dem Treibhauseffekt resultiert: es ist die Energie von 600 Millionen Atombomben.
Ein Hurricane setzt die Energie von mehreren Dutzend Atombomben frei. Gigantische Zahlen.
Gegen diese Gewalten ist der Mensch hilflos, und wir haben nur eine einzige Strategie, um dem entgegenzuwirken: Die Produktivität der tropischen Regionen unseres Globus. Hier sind handlichere Größenordnungen für ein humanes Maß. Die Sonnenenergie eines einzigen Tages, die auf das Amazonasbecken fällt, entspricht der Energie von sechs Millionen Atombomben. Tag für Tag. Auch wir haben diese gigantischen Energiemengen, aber wir können sie verwenden, um Leben zu schützen und den Fortgang unserer Zivilisation zu sichern. Denn unsere Zivilisation steht auf dem Spiel. Die Natur verzeiht nicht, sie reagiert und sie trifft hart. Darauf müssen wir uns einstellen, um die Welt vor diesem Abgrund zu bewahren, auf den die hegemoniale Weltordnung uns zusteuert.

Fusionsreaktor aus natürlicher Ursache
Die primäre Energiequelle ist die Sonne. Die Sonne ist ein Fusionsreaktor. Ich habe über Kernfusion gearbeitet, habe als post-doc über Atomenergie gearbeitet, und ich meine, niemand wird hier auf der Erde einen Fusionsreaktor zustande bringen.
Ein Fusionsreaktor bedeutet die Umwandlung von Materie in Energie nach der Formel E=mc² , also Masse mal dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit, etwa 300 Millionen Meter pro Sekunde. Bleiben wir bei dem Beispiel der Sonne, dort erzeugt ein Gramm Wasserstoff bei der Verschmelzung zu Helium eine Energiemenge, die etwa tausend Tonnen Erdöl entspricht. Sie erkennen die Dimensionen.

Wer die Kernfusion beherrscht, beherrscht die Welt. Denn Energie ist Macht. Energie ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Energie ist Alles. Wer die Kernfusion beherrscht, beherrscht die Welt, beherrscht alle Armeen usw.

Bis heute hat noch kein Land die Kernfusion gebändigt, und in meiner Perspektive wird dies auch nicht gelingen. Ich will keine Futurologie betreiben, aber ich glaube nicht an die Beherrschbarkeit der Kernfusion. Diese läuft ab bei hunderten von Millionen Grad und bei dieser Temperatur existiert Materie nur noch als Plasma, ein extrem verdünntes Gas, das man nicht anfassen, nicht bearbeiten, nicht festbinden und nicht anzapfen kann.

Wie gesagt, ich habe auf diesem Gebiet gearbeitet, und es war eine interessante Erfahrung, diese Dinge ganz aus der Nähe und intim kennenzulernen. Kurzum, wer die Kernfusion beherrscht (das wird nicht der Fall sein), würde die Welt beherrschen.

Nun gibt es ein Land, das bereits über einen Fusionsreaktor verfügt. Aber dieser Reaktor ist nicht von Menschen erbaut, sondern natürlichen Ursprungs. Es ist die Sonne.
Und das Land ist der tropische Kontinent Brasilien. Und Brasilien ist Herr der Sonne.

Der Schlachtruf bei der Gründung der Petrobras war: "Das Erdöl ist unser".
Jetzt muß unser Schlachtruf lauten "Die Sonne ist unser". Denn wir haben einen Fusionsreaktor, der ewig läuft und unfaßbar groß ist.

Im Zentrum der Sonne geschieht die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium, unter Abgabe einer geringen Menge an Energie, und diese Energie strömt in den umgebenden Weltraum und in einer Entfernung von 150 Millionen Kilometern trifft ein winziger Bruchteil dieser Energie auf ein Staubkörnchen im All, und das ist unsere Erde.
Die Energie von der Sonne, die auf die Tagseite der Erde an einem einzigen Tag auftrifft, entspricht dem Energieinhalt aller jemals entdeckten Ölfelder, einschließlich der noch nicht entdeckten Lagerstätten.

Diese Erdöl-Zivilisation ist also eine Eintags-Zivilisation. Und wir machen uns das nicht klar. Wir
müssen uns unserer Aufgabe bewußt werden, die wir in dem zivilisatorischen Prozeß der Menschheit haben.

Diese Sonnenenergie fällt aber nicht gleichmäßig verteilt auf den Globus, sondern konzentriert sich in den Tropen. Wenn man im Winter in Wien um drei Uhr nachmittags ankommt, muß die Straßenbeleuchtung eingeschaltet werden, damit man überhaupt etwas sieht. Lichtmangel ist Energiemangel, und hier in Brasilien haben wir diesen Überfluß an Licht.

Erst jetzt beginnt die Welt zu begrefen, wie wichtig diese Energie für unsere Zivilistion ist und daß die Energie aus den tropischen Regionen kommen muß. Die heutige Machtverteilng zwischen energiereichen und energiearmen Staaten resultiert lediglich aus einem Mangel an Organisation, politischen Verhaltensweisen, und einer Reihe anderer Faktoren, die wir hier in Brasilien nur zu gut kennen.

Ich spreche heute zu Ihnen, um der Jugend Brasiliens diese brutale Herausforderung darzulegen, denn kein anderes Land trägt diese Verantwortung. Deswegen wollen wir sehen, was zu tun ist.

Dieser Kollaps wird sehr schädliche Folgen haben, falls nicht Brasilien seiner Rolle gerecht wird.

Es gibt eine Studie des Pentagon über die Folgen eines ungebremsten Treibhauseffektes, und die Folgen sind erschreckend. Das Abschmelzen der Polkappe der Antarktis würde Städte wie New York, London, Paris, Amsterdam und ganze Länder wie Bangladesch und hunderte von Inseln in den Fluten des Meeres versinken lassen. Und auch hier ist die einzige Lösung in den erneuerbaren und sauberen Energien aus den Tropen zu finden. Warum? Weil diese Regionen diesen Fusionsreaktor haben, in stärkerem Maß als die anderen Regionen. Deswegen.

Wasser
Licht allein ist nicht genug. Wasser muß auch vorhanden sein. Reichlich Wasser. Und auch hier verfügt Brasilien über 24 % der Wasservorkommen der Erde. An zweiter Stelle liegt Kanada mit 14 %, allerdings überwiegend als Eis. Kurzum: Gott ist ein Brasilianer. Er gab uns beides, Sonne und Wasser. Und was erst allmählich ins Bewußtsein dringt: diese Sonne ist schön verteilt, schön demokratisch, und das einfangen und einsperren ist schwierig . Man betrachte nur diese Solarzellen mit den Akkus. Lachhaft. Große Energiemengen kann man damit nicht speichern. Aber die Natur kann das mit den grünen Pflanzen. Man bedenke, welche Energiemenge in der Biomasse des Urwaldes am Amazonas gespeichert ist. Und ein Blick auf einen Baum oder Strauch oder einen Grashalm zeigt diese wunderbare Energie.

Wasserstoff
Wasserstoff in freier Form kommt auf der Erde nicht vor. Er ist eingebunden in Wasser H2O, und die Abspaltung durch elektrischen Strom ist teuer und ein Verlustgeschäft.

Ein kleiner Scherz zur Verdeutlichung:
"Wasserstoff ist sauber und bei der Verbrennung entsteht nur Wasser.
Und woher kommt der Wasserstoff?
In der Sonne gibt es genug davon. Den holen wir einfach nachts, wenn die Sonne aus ist."

O ja, die Lösung ist die Sonne, aber die Sonnenstrahlung auf der Erde, die die Pflanzen wachsen läßt.
Und wir sind dazu verdammt, die Energiezentrale dieses Planeten zu werden.
Das Problem ist, wir haben das noch nicht verstanden. Ich selber zum Beispiel bin Ingenieur, habe den Abschluß mit Auszeichnung gemacht und glaubte, Brasilien könne nicht bestehen, weil wir keine Kohlevorkommen haben. Welche Dummheit. Was für ein Esel war ich doch.
Wir sollten Gott danken, daß wir statt Kohle einen sauberen Kernfusionsreaktor haben, der auch noch beruhigende 150 Millionen Kilometer weit weg ist.

Was tun?
Das grundlegende Prinzip der Thermodynamik besagt, im Universum bewegt sich nichts ohne Energie. Ohne Energie kann kein Same in Nahrung verwandelt werden, ohne Energie läuft nichts. Ohne Energie kein Leben, und ohne Nahrung als Energiezufuhr stirbt der Mensch.

Karl Marx
Kurzum: Energie ist die Fähigkeit, Arbeit zu leisten. Das hat Karl Marx falsch verstanden, als er meinte, die Energie sei das Ergebnis von Arbeit. LÜGE! Er kannte die Physik nicht. Um einen Schrank zu bauen, nimmt man Holz. Denn das genaue Gegenteil ist richtig: Arbeit ist die Folge von Energie. Auch die menschliche Arbeit. Das heißt wir verdauen Nahrung zum Energiegewinn, diese Energie geht in die Zellen, und dort kann Muskelarbeit geleistet werden. Und Denkarbeit. Und die Arbeit der Maschinen ist ebenfalls Folge der Energie. Wer das Wesen der Energie nicht verstanden hat, kann nicht mal Straßenkehrer werden. Er müßte zuerst lernen, was Energie ist.

Und nun sehen wir Senatoren, Abgeordnete, Gouverneure und andere, die behaupten, niemand bräuchte Energie. Schwachsinn! Unsere Gesellschaft muß diese Zusammenhänge verstehen, denn wir sind die wichtigste Quelle von Energie auf dem Planeten Erde. Kein Zweifel möglich.

Noch ein Detail. Ich war bei einer Tagung des Weltforums in Rom, und alle wußten, daß ich anwesend war. Ein Professor hielt einen Vortrag über Energie in Lateinamerika, und er erwies mir eine große Ehre, als er einen Satz aus einem meiner Bücher groß an die Wand projizierte: "Brasilien ist das SaudiArabien für die Zukunft der Menschheit". Applaus. Ich erhob mich und dankte in die Runde, und der Professor fügte nach kurzem Schweigen hinzu: "Forever"
Für immer!
Wahnsinn. Die Menschheit steht am Abgrund, und Brasilien ist die Rettung für das Weiterbestehen unserer Zivilisation.
Wenn das Öl knapp wird, befindet sich die Welt im Krieg um die letzten Reste des Öls.
Natürlich wird auch die Sonne eines Tages verlöschen, irgendwann in den nächsten elf Milliarden Jahren. Sie wird den Weg aller Sterne gehen. Aber bis dahin vergeht noch ein Weilchen. Man beachte den Unterschied im Zeithorizont.

Die Bildung des Erdöls benötigte 400 Millionen Jahre, aber die grünen Pflanzen fangen die Sonnenenergie ein und speichern sie in Form von Kohlehydraten als Grundlage allen Lebens, als Biomasse. Und welche Probleme hat der Mensch beim Einfangen und Umwandeln und Speichern der Sonnenenergie. Und die Pflanzen machen das alles zusammen, lautlos und bei Normaldruck und Normaltemperatur und ohne Abfall. Und sie vermehren sich selbsttätig. Und die Menschen übersehen das einfach, weil es ja keinen Krach macht und nicht blinkt.

Wir leben in einer Zivilisation, die die Natur mißachtet und die Wissenschaft ignoriert. Im Kapitalismus genau so wie im Marxismus. So klappt das nicht. Hier ist ein Umdenken angesagt.
Zum Thema Karl Marx, weil ich gerade an einem Buch über ihn schreibe. Als Ehrung an Marx. Wenn Marx heute leben würde, hätte er diese Irrtümer schon längst korrigiert. Marx war kein Prophet, er war kein Physiker. Er lebte in einer Zeit, da die Thermodynamik als Wissenschaft noch nicht existierte, deshalb muß man ihm seine Irrtümer verzeihen. Die Marxisten von heute erlauben keine Kritik an Marx, alle Narreteien von Marx werden zum Dogma erhoben und eine Kritik ist nicht gestattet. So geht das aber nicht. Wir sollten Marx achten und schätzen, aber seine Irrtümer korrigieren, und das ist wohl die korrekte Herangehensweise. Daher ist die Verantwortung Brasiliens als einziger tropischer Kontinent um so größer, und deshalb wende ich mich an die Jugend von Paraná. Brasilien muß diese Rolle übernehmen und die Welt wartet nur darauf.

Schaut nach Japan. Die Japaner sind vom Öl abhängig und die Nordamerikaner schnappen sich alle Ölreserven, die in der Erde bereitliegen. Die USA werden sich den Irak schnappen und dann den Iran als Zugabe. Und glaubt jemand, die US-Armee würde auch nur einen Teelöffel voll an die Japaner abgeben? Natürlich nicht. Und die Japaner wissen das. Die Japaner schreien geradezu danach, daß Brasilien erneuerbare und saubere Energieträger liefert, damit Japan überleben kann. Und das selbe in China und Indien.

Man bedenke, welcher Block mit Brasilien als Zentrum da entstehen kann. Nur so können wir diese räuberischen Banker und Diebe loswerden, die die Welt aussaugen.

Und hier sei ein Hinweis gestattet auf einen Film aus Argentinien von Fernando Solanas (Memoria del saqueo, Argentinien, 2004). Es ist ein Film über die Regierungszeit von Menem in Argentinien, diesen Genozid des Neoliberalismus, der in Brasilien genau so abläuft, nur gibt es darüber keinen Film.

Argentinien war ein reiches Land, Selbstversorger mit Energie und einer der größten Erzeuger von Nahrungsmitteln. Dieses Land wurde zerstört, tausende Kinder ernährten sich aus dem Müll der Städte, und das in einem Land, das die ganze Welt ernähren könnte. Welche Brutalität.

Argentinien wurde überfallen und geplündert, und die Oberschicht dieses Landes hat sich dafür hergegeben als Verräter und Kanaillen, so wie die brasilianische Oberschicht Verräter und Kanaillen sind. Lula macht das aus Angst, nicht als Verräter. Er hat Angst. Er hat Angst vor (seinem Amtsvorgänger) Fernando Henrique Cardoso. Aber lassen wir Lula beiseite. Ich mag ihn sogar. Und ich bin bereit, ihm zu helfen, aber nicht bei dem Versuch, das Land zu ruinieren. Ich will ihm helfen, unser Land voran zu bringen.

Mentalität des Kolonialismus
Wir sprechen heute über die Rolle Brasiliens. Wer sind wir? Was ist unsere Aufgabe? Diese Frage sollte sich eigentlich jeder Mensch stellen auf dieser Welt. Aber wir tun es nicht. José Ortega y Gasset, ein spanischer Philosoph, hat klar formuliert, was den kolonialen Geisteszustand ausmacht: Unkenntnis des eigenen Landes und Unkenntnis der Probleme der eigenen Epoche.

Wir verkennen unsere eigenes Land. Wir wissen nicht, daß wir die Energiemacht dieses Planeten sind, und wir benehmen uns, als seien wir ein abhängiges und dienerisches Land. So klappt das nicht. Das ist eine Frage der Kultur. Und weil die Universitäten dies nicht in die Köpfe unserer jungen Leute bringen, oder dies zumindest diskutieren, deswegen nenne ich die eine Bande von Feiglingen. Und ich nehme mich selber nicht davon aus, und ich sage dies als Professor, und ich habe mich auch schuldig gemacht. Ich hätte viel mehr tun müssen, als ich getan habe.

Meine Generation hat sich zum Handlanger gemacht, und Ihr werdet dafür eine sehr hohen Preis zahlen.

Welche Alternativen gibt es für Euch in einem Brasilien, das unterwürfig, dienerisch, abhängig und in Unkenntnis seiner Realitäten befangen ist? Nur die Wahl zwischen Sklave und Kanaille. Und diese Positionen sind auch noch knapp. Wie wunderbar. So klappt das nicht. Wir müssen diesen Teufelskreis unterbrechen. Die Jugend muß sich aufraffen, nachdenken, Forderungen stellen an das Land und an die Eltern.

Diese Feigheit ist eine Krankheit, denn die Menschen denken nicht, sie diskutieren nicht, weil sie die Realität nicht erkennen. Und warum erfüllen die Universitäten nicht diese Aufgabe? Ganz klar, viele der Professoren an unseren Universitäten, so wie ich, haben im Ausland promoviert, und der koloniale Geist wurde uns eingeimpft. Aber bei mir schlug die Impfung nicht an.

Die schlimmste Sache ist diese koloniale Geisteshaltung: wir vergessen unsere eigene Identität, und wir erkennen nicht die Probleme unserer Epoche. Ich stehe hier um zu verkünden, daß Brasilien die größte Energiemacht dieses Planeten ist, weiter nichts. Energie bewegt die Welt, Energie ist die Quelle der Macht, die Grundlage der Zivilisation, Energie ist die Voraussetzung für Arbeit. Beinahe göttlich.

Schon Echnaton, der 1400 Jahre vor Christus lebte, hat die erste monotheistische Religion geschaffen, und der Gott war die Sonne. Er erbaute die Stadt der Sonne, Heliopolis, er hatte eine wunderschöne Frau, Nofretete, und er schrieb einen Hymnus an die Sonne, der eigentlich eine Abhandlung über Thermodynamik ist, geschrieben 1400 Jahre v. Christus. Die Thermodynamik als Wissenschaft wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Christus formuliert.

Wir müssen diesen kolonialen Geist loswerden, unsere Jugend und unsere Kinder müssen ohne diesen Ungeist aufwachsen, den meine Generation, ich spreche von meiner Generation der Alten, aufgesogen hat.
Die Generation von Euch Jungen muß diesen Prozeß umkehren durch Erkenntnis der Realität. Denn dieser koloniale Geist ist nicht geeignet für beseelte Menschen mit hohen Ansprüchen.

Also, liebe Freunde, wir haben alles, was wir brauchen, um dieses Land zum reichsten, glänzendsten, solidarischsten, humansten und schönsten Land zu machen, das die Menschheit je gesehen hat. Packen wir's an.
José Walter Bautista Vidal
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Traduzido por Diazotrophicus em homenagem a Johanna Döbereiner