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Vortrag von Bautista Vidal
Bautista
Vidal: In Wirklichkeit war dieses Ölzeitalter, so oft gelobt und besungen, eine Traumwelt. Denn die Welt wurde abhängig und süchtig gemacht von Energieformen, die unwiderruflich zur Neige gehen,und Energie ist die Basis aller Umwandlungen und jeder Bewegung. Ohne Energie bricht alles zusammen. Und genau deshalb findet dieser Krieg statt. Und dieser Krieg, den wir heute erleben, ist das Ergebnis des schwindenden Öls. Da gibt es kein Entrinnen. Die Konflikte werden riesengroß. In diesem Umfeld ist unsere Aufgabe von entscheidender Bedeutung. Denn die einzige Möglichkeit, diesen Zusammenbruch zu vermeiden, bietet der Kontinent Brasilien. Ein tropischer Kontinent. Und unsere Aufgabe in der Entwicklung der Welt ist absolut entscheidend, nur... wir wissen es nicht und sind deswegen auch nicht darauf vorbereitet. Beim zweiten Welt-Energiegipfel in Bonn im Juli vergangenen Jahres hat die Welt erkannt, daß Erdöl und Atomenenergie Dinosaurier der Vergangenheit sind, und die Welt darf unter keinen Umständen davon abhängig bleiben. Wirbelstürme Im Grunde ist dies
die Rache der Natur an (George W.) Bush, der sich weigert, das Protokoll
von Kioto zu unterzeichnen. Dies ist von fundamentaler Wichtigkeit für
das thermodynamische Gleichgewicht der Ökosphäre, fundamental
für die Erhaltung des Lebens, und dieser Bandit weigert sich zu unterschreiben. Umwelt-Kollaps
und Energie-Kollaps Fusionsreaktor
aus natürlicher Ursache Wer die Kernfusion beherrscht, beherrscht die Welt. Denn Energie ist Macht. Energie ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Energie ist Alles. Wer die Kernfusion beherrscht, beherrscht die Welt, beherrscht alle Armeen usw. Bis heute hat noch kein Land die Kernfusion gebändigt, und in meiner Perspektive wird dies auch nicht gelingen. Ich will keine Futurologie betreiben, aber ich glaube nicht an die Beherrschbarkeit der Kernfusion. Diese läuft ab bei hunderten von Millionen Grad und bei dieser Temperatur existiert Materie nur noch als Plasma, ein extrem verdünntes Gas, das man nicht anfassen, nicht bearbeiten, nicht festbinden und nicht anzapfen kann. Wie gesagt, ich habe auf diesem Gebiet gearbeitet, und es war eine interessante Erfahrung, diese Dinge ganz aus der Nähe und intim kennenzulernen. Kurzum, wer die Kernfusion beherrscht (das wird nicht der Fall sein), würde die Welt beherrschen. Nun gibt es ein
Land, das bereits über einen Fusionsreaktor verfügt. Aber dieser
Reaktor ist nicht von Menschen erbaut, sondern natürlichen Ursprungs.
Es ist die Sonne. Der Schlachtruf
bei der Gründung der Petrobras war: "Das Erdöl ist unser". Im Zentrum der
Sonne geschieht die Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium, unter Abgabe
einer geringen Menge an Energie, und diese Energie strömt in den
umgebenden Weltraum und in einer Entfernung von 150 Millionen Kilometern
trifft ein winziger Bruchteil dieser Energie auf ein Staubkörnchen
im All, und das ist unsere Erde. Diese Erdöl-Zivilisation
ist also eine Eintags-Zivilisation. Und wir machen uns das nicht klar.
Wir Diese Sonnenenergie fällt aber nicht gleichmäßig verteilt auf den Globus, sondern konzentriert sich in den Tropen. Wenn man im Winter in Wien um drei Uhr nachmittags ankommt, muß die Straßenbeleuchtung eingeschaltet werden, damit man überhaupt etwas sieht. Lichtmangel ist Energiemangel, und hier in Brasilien haben wir diesen Überfluß an Licht. Erst jetzt beginnt die Welt zu begrefen, wie wichtig diese Energie für unsere Zivilistion ist und daß die Energie aus den tropischen Regionen kommen muß. Die heutige Machtverteilng zwischen energiereichen und energiearmen Staaten resultiert lediglich aus einem Mangel an Organisation, politischen Verhaltensweisen, und einer Reihe anderer Faktoren, die wir hier in Brasilien nur zu gut kennen. Ich spreche heute zu Ihnen, um der Jugend Brasiliens diese brutale Herausforderung darzulegen, denn kein anderes Land trägt diese Verantwortung. Deswegen wollen wir sehen, was zu tun ist. Dieser Kollaps wird sehr schädliche Folgen haben, falls nicht Brasilien seiner Rolle gerecht wird. Es gibt eine Studie des Pentagon über die Folgen eines ungebremsten Treibhauseffektes, und die Folgen sind erschreckend. Das Abschmelzen der Polkappe der Antarktis würde Städte wie New York, London, Paris, Amsterdam und ganze Länder wie Bangladesch und hunderte von Inseln in den Fluten des Meeres versinken lassen. Und auch hier ist die einzige Lösung in den erneuerbaren und sauberen Energien aus den Tropen zu finden. Warum? Weil diese Regionen diesen Fusionsreaktor haben, in stärkerem Maß als die anderen Regionen. Deswegen. Wasser Wasserstoff Ein kleiner Scherz
zur Verdeutlichung: O ja, die Lösung
ist die Sonne, aber die Sonnenstrahlung auf der Erde, die die Pflanzen
wachsen läßt. Was tun? Karl Marx Und nun sehen wir Senatoren, Abgeordnete, Gouverneure und andere, die behaupten, niemand bräuchte Energie. Schwachsinn! Unsere Gesellschaft muß diese Zusammenhänge verstehen, denn wir sind die wichtigste Quelle von Energie auf dem Planeten Erde. Kein Zweifel möglich. Noch ein Detail.
Ich war bei einer Tagung des Weltforums in Rom, und alle wußten,
daß ich anwesend war. Ein Professor hielt einen Vortrag über
Energie in Lateinamerika, und er erwies mir eine große Ehre, als
er einen Satz aus einem meiner Bücher groß an die Wand projizierte:
"Brasilien ist das SaudiArabien für die Zukunft der Menschheit".
Applaus. Ich erhob mich und dankte in die Runde, und der Professor fügte
nach kurzem Schweigen hinzu: "Forever" Die Bildung des Erdöls benötigte 400 Millionen Jahre, aber die grünen Pflanzen fangen die Sonnenenergie ein und speichern sie in Form von Kohlehydraten als Grundlage allen Lebens, als Biomasse. Und welche Probleme hat der Mensch beim Einfangen und Umwandeln und Speichern der Sonnenenergie. Und die Pflanzen machen das alles zusammen, lautlos und bei Normaldruck und Normaltemperatur und ohne Abfall. Und sie vermehren sich selbsttätig. Und die Menschen übersehen das einfach, weil es ja keinen Krach macht und nicht blinkt. Wir leben in einer
Zivilisation, die die Natur mißachtet und die Wissenschaft ignoriert.
Im Kapitalismus genau so wie im Marxismus. So klappt das nicht. Hier ist
ein Umdenken angesagt. Schaut nach Japan. Die Japaner sind vom Öl abhängig und die Nordamerikaner schnappen sich alle Ölreserven, die in der Erde bereitliegen. Die USA werden sich den Irak schnappen und dann den Iran als Zugabe. Und glaubt jemand, die US-Armee würde auch nur einen Teelöffel voll an die Japaner abgeben? Natürlich nicht. Und die Japaner wissen das. Die Japaner schreien geradezu danach, daß Brasilien erneuerbare und saubere Energieträger liefert, damit Japan überleben kann. Und das selbe in China und Indien. Man bedenke, welcher Block mit Brasilien als Zentrum da entstehen kann. Nur so können wir diese räuberischen Banker und Diebe loswerden, die die Welt aussaugen. Und hier sei ein Hinweis gestattet auf einen Film aus Argentinien von Fernando Solanas (Memoria del saqueo, Argentinien, 2004). Es ist ein Film über die Regierungszeit von Menem in Argentinien, diesen Genozid des Neoliberalismus, der in Brasilien genau so abläuft, nur gibt es darüber keinen Film. Argentinien war ein reiches Land, Selbstversorger mit Energie und einer der größten Erzeuger von Nahrungsmitteln. Dieses Land wurde zerstört, tausende Kinder ernährten sich aus dem Müll der Städte, und das in einem Land, das die ganze Welt ernähren könnte. Welche Brutalität. Argentinien wurde überfallen und geplündert, und die Oberschicht dieses Landes hat sich dafür hergegeben als Verräter und Kanaillen, so wie die brasilianische Oberschicht Verräter und Kanaillen sind. Lula macht das aus Angst, nicht als Verräter. Er hat Angst. Er hat Angst vor (seinem Amtsvorgänger) Fernando Henrique Cardoso. Aber lassen wir Lula beiseite. Ich mag ihn sogar. Und ich bin bereit, ihm zu helfen, aber nicht bei dem Versuch, das Land zu ruinieren. Ich will ihm helfen, unser Land voran zu bringen. Mentalität
des Kolonialismus Wir verkennen unsere eigenes Land. Wir wissen nicht, daß wir die Energiemacht dieses Planeten sind, und wir benehmen uns, als seien wir ein abhängiges und dienerisches Land. So klappt das nicht. Das ist eine Frage der Kultur. Und weil die Universitäten dies nicht in die Köpfe unserer jungen Leute bringen, oder dies zumindest diskutieren, deswegen nenne ich die eine Bande von Feiglingen. Und ich nehme mich selber nicht davon aus, und ich sage dies als Professor, und ich habe mich auch schuldig gemacht. Ich hätte viel mehr tun müssen, als ich getan habe. Meine Generation hat sich zum Handlanger gemacht, und Ihr werdet dafür eine sehr hohen Preis zahlen. Welche Alternativen gibt es für Euch in einem Brasilien, das unterwürfig, dienerisch, abhängig und in Unkenntnis seiner Realitäten befangen ist? Nur die Wahl zwischen Sklave und Kanaille. Und diese Positionen sind auch noch knapp. Wie wunderbar. So klappt das nicht. Wir müssen diesen Teufelskreis unterbrechen. Die Jugend muß sich aufraffen, nachdenken, Forderungen stellen an das Land und an die Eltern. Diese Feigheit ist eine Krankheit, denn die Menschen denken nicht, sie diskutieren nicht, weil sie die Realität nicht erkennen. Und warum erfüllen die Universitäten nicht diese Aufgabe? Ganz klar, viele der Professoren an unseren Universitäten, so wie ich, haben im Ausland promoviert, und der koloniale Geist wurde uns eingeimpft. Aber bei mir schlug die Impfung nicht an. Die schlimmste Sache ist diese koloniale Geisteshaltung: wir vergessen unsere eigene Identität, und wir erkennen nicht die Probleme unserer Epoche. Ich stehe hier um zu verkünden, daß Brasilien die größte Energiemacht dieses Planeten ist, weiter nichts. Energie bewegt die Welt, Energie ist die Quelle der Macht, die Grundlage der Zivilisation, Energie ist die Voraussetzung für Arbeit. Beinahe göttlich. Schon Echnaton, der 1400 Jahre vor Christus lebte, hat die erste monotheistische Religion geschaffen, und der Gott war die Sonne. Er erbaute die Stadt der Sonne, Heliopolis, er hatte eine wunderschöne Frau, Nofretete, und er schrieb einen Hymnus an die Sonne, der eigentlich eine Abhandlung über Thermodynamik ist, geschrieben 1400 Jahre v. Christus. Die Thermodynamik als Wissenschaft wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Christus formuliert. Wir müssen
diesen kolonialen Geist loswerden, unsere Jugend und unsere Kinder müssen
ohne diesen Ungeist aufwachsen, den meine Generation, ich spreche von
meiner Generation der Alten, aufgesogen hat. Also, liebe Freunde,
wir haben alles, was wir brauchen, um dieses Land zum reichsten, glänzendsten,
solidarischsten, humansten und schönsten Land zu machen, das die
Menschheit je gesehen hat. Packen wir's an. |